Der im Projekt Regionalsprache.de (REDE) am Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas entwickelte Digitale Hessische Sprachatlas (DHSA) dokumentiert und visualisiert die dialektale Vielfalt Hessens.
Er bietet einen visuellen und auditiven Zugang zu den hessischen Dialekten und zeigt, wie sich sprachliche Merkmale räumlich verteilen. Das Bundesland Hessen zeichnet sich durch eine hohe Dialektvielfalt aus, sodass sich große regionale Unterschiede in Lautung, Wortschatz und Grammatik beobachten lassen.
Der DHSA macht diese Vielfalt in Einzelkarten und zusammenfassenden Karten sichtbar und ermöglicht es, die Dialektentwicklung über einen Zeitraum von mehr als 130 Jahren nachzuverfolgen.
Der DHSA beruht auf der Gegenüberstellung zweier Erhebungen. Die historische Grundlage bilden die Wenker-Erhebungen aus dem späten 19. Jahrhundert. Georg Wenker ließ die Dialekte aller Schulorte des damaligen Deutschen Reiches anhand von 40 vorgegebenen Sätzen, die in den jeweiligen Ortsdialekt zu übertragen waren, erfassen.
Die daraus entstandenen Wenkerkarten dokumentieren den Sprachstand um 1880 und bieten für Hessen eine flächendeckende historische Grundlage .
Eine zweite, moderne Ebene basiert auf 132 Tonaufnahmen aus dem Jahr 2014 . Auch hier wurden die 40 Wenkersätze verwendet und von Gewährspersonen in ihrem jeweiligen Ortsdialekt eingesprochen.
Durch die Verbindung beider Datensätze kann der DHSA zeigen, welche sprachlichen Formen sich über die Zeit erhalten haben und wo sich Veränderungen vollzogen haben.
Der Atlas umfasst mittlerweile mehr als 200 Karten. Den Schwerpunkt bilden Lautkarten. Ergänzt werden sie durch Karten zu Morphologie (Formlehre), Lexik (Wortschatz) und verschiedenen sprachwissenschaftlichen Analysen.
Die historische Kartengrundlage um 1880 wird durch farbige Flächen dargestellt, denen jeweils eine Leitform zugeordnet ist.
Einzelörtliche Abweichungen werden durch zusätzliche Symbole gekennzeichnet.
Die Tonaufnahmen von 2014 erscheinen als farbige Lautsprechersymbole .
Stimmen die Farbe des Lautsprechersymbols und die Flächenfarbe überein, entspricht die moderne Form der historischen Leitform. Eine abweichende Farbe weist auf eine Veränderung hin.
Die Symbole sind interaktiv und ermöglichen es, die jeweilige sprachliche Realisierung direkt per Klick auf das Lautsprechersymbol anzuhören.
Ergänzende phonetische Notationen ( internationale Lautschrift IPA ) erleichtern dabei die Interpretation der Karten auch ohne fachwissenschaftliche Vorkenntnisse.
Der DHSA ist in das wissenschaftliche Informationssystem Regionalsprache.de (REDE) eingebunden. Dort lassen sich die Karten mit den zugehörigen Tonaufnahmen und weiteren sprachwissenschaftlichen Informationen verbinden und für detaillierte Analysen nutzen.
Die vorliegende Website bietet einen niedrigschwelligen Einstieg in den Atlas und stellt ausgewählte Karten übersichtlich zusammen.
Sie sind nach Laut-, Morphologie-, Lexik sowie Arbeits- und Analysekarten geordnet. Über die jeweiligen Verlinkungen gelangen Nutzerinnen und Nutzer direkt zu den entsprechenden Karten im REDE-SprachGIS.
Auf diese Weise können die Karten zunächst einen Überblick über die räumliche Verteilung sprachlicher Merkmale geben und anschließend unmittelbar durch die zugehörigen Sprachaufnahmen und weiterführenden Informationen erkundet werden.
Darüber hinaus finden sich alle Publikationen, die im Zusammenhang mit dem DHSA entstanden sind oder die auf DHSA-Karten basieren, gebündelt auf dieser Website.
Hier findest du eine Auswahl wissenschaftlicher Aufsätze, die im Zusammenhang oder auf Grundlage der DHSA-Karten erstellt wurden:
Für die Zitation des Digitalen Hessischen Sprachatlasses (DHSA) können folgende Varianten verwendet werden: