Akademie der Wissenschaften und der Literatur - Mainz

Atlas der Celler Mundart (Cell MA)

von Mehlem, Richard

 

1. Zitation

1.1 Einführung

Eine gesonderte Einführung in das gesamte Werk des Cell MA liegt nicht vor. Diese befindet sich im Kartenband des Atlasses.

1.2 Kartenband

Mehlem, Richard (1967): Atlas der Celler Mundart. Im Blickfelde der niedersächsischen Dialekte und deren Grenzgebiete. Marburg: N. G. Elwert Verlag.

 

2. Werkbeschreibung

2.1 Hintergründe

Das von Richard Mehlem formulierte Ziel für den Cell MA besteht darin, „die mundartlichen Verhältnisse im großen niedersächsischen Raum“ (Mehlem 1964: 2) zu veranschaulichen sowie die handgezeichneten Karten aus Georg Wenkers „Sprachatlas des Deutschen Reichs“ zu überprüfen und zu ergänzen (vgl. Mehlem 1964: 3).

Der Cell MA konnte nach seiner Fertigstellung im Jahr 1948 aufgrund der hohen Kosten nicht gedruckt werden und wurde zuerst im Bomann-Museum der Stadt Celle aufbewahrt. Erst nach der Vorlegung des Cell MA auf der Tagung der Dialektologen in Marburg/Lahn im Jahr 1961 fand der Atlas allgemeine Zustimmung und erhielt eine Druckkostenbeihilfe, die seinen Druck im Jahr 1964 ermöglichte.

2.2 Erhebungsgebiet

Der Cell MA umfasst zwei Arten von Karten: die so genannten Umrisskarten, die den Karten aus Georg Wenkers „Sprachatlas des Deutschen Reichs“ zum größten Teil entsprechen (siehe Kartierung) und zeigen sollen, in welchem sprachlichen Zusammenhang der Celler Sprachraum liegt (vgl. Mehlem 1964:1), und die Sonderkarten, die die besonderen Dialektverhältnisse im Celler Sprachraum aufzeigen sollen.

Die 221 Erhebungsorte der Umrisskarten des Cell MA im Gebiet des „Sprachatlas des Deutschen Reichs“ erstrecken sich in nordsüdlicher Richtung von Segeberg bis Kassel und in westöstlicher Richtung von Rhaden bis Magdeburg. Die 183 Erhebungsorte der Sonderkarten, die neben den Orten des Landkreises Celle die Orte der Randgebiete der Kreise Fallingbostel, Soltau, Uelzen, Gifhorn und Burgdorf umfassen (vgl. Mehlem 1964: 3), erstrecken sich in nordsüdlicher Richtung von Meinholz bis Otze und in westöstlicher Richtung von Mellendorf bis Kl. Oesingen. Die Grundkarte zeigt das Erhebungsgebiet des Cell MA mit den Erhebungsorten sowie orohydrographische Informationen.

2.3 Erhebungszeitraum

Die Daten für die Umrisskarten des Cell MA wurden von 1879 bis 1887 erhoben (Versendung der ersten Fragebogen durch Georg Wenker), die Daten für die Sonderkarten von 1943 bis 1947.

2.4 Erhebungsmethode

Für die Umrisskarten wurden überwiegend Volksschullehrer aus Schulorten des Erhebungsgebietes des „Sprachatlas des Deutschen Reichs“ befragt. „War der Schulort nicht mit dem Geburtsort [des Lehrers] identisch, sollte der Lehrer einen oder einige der dort aufgewachsenen Schüler als Gewährsmänner benutzen“ (Knoop/Putschke/Wiegand 1982: 50). Die Datenerhebung fand indirekt mittels an die Schulorte des Erhebungsgebiets versandter Fragebögen statt.

Für die Sonderkarten wurden ortsansässige Gewährspersonen befragt, deren Eltern möglichst schon ortseingeboren waren. Die Sprachdaten wurden direkt erhoben. Die Grundlage der Befragung bildeten die 40 Wenkersätze, mit deren Hilfe der Lautstand eines „Kennworts“ und zugleich „derjenigen Wörter, die die gleiche lautliche Grundlage haben“, erschlossen werden sollten (vgl. Mehlem 1964: 2).

2.5 Kartierung

Sowohl auf den Umrisskarten, bei denen die Originalbeschriftung der Karten aus dem „Sprachatlas des Deutschen Reichs“ beibehalten wurde, als auch auf den Sonderkarten sind Gebiete gleicher sprachlicher Merkmale durch Isoglossen zusammengefasst und mit einer Leitform versehen. Anders als auf den Karten aus dem „Sprachatlas des Deutschen Reichs“ wurden abweichende Formen auf den Umrisskarten des Cell MA nicht vermerkt. Auf den Sonderkarten sind abweichende Formen durch Symbole an den entsprechenden Ortspunkten markiert. Die Aufschlüsselung der Symbole erfolgt in der Legende, die der Karte beigegeben wurde. Darüber hinaus können auf REDE-Karten auch die Originalformen angezeigt werden.

2.6 Umfang

Der Cell MA umfasst 141 Karten zu phonetisch-phonologischen, 26 Karten zu morphologischen und 13 Karten zu lexikalischen Phänomenen sowie drei außersprachliche Interpretamentkarten. Der Atlas liegt seit 1967 in einem Band publiziert vor.

2.7 Weitere Informationen

Bibliographische Hinweise zu den Dialekten des Celler Gebiets sind in der Georeferenzierten Online-Bibliographie zur Areallinguistik (GOBA) zu finden.

 

3. Integration der Karten in REDE via Scan, Georeferenzierung und Datenbankerfassung

Die kartierten Daten des Cell MA wurden in REDE in eine zentrale Datenbank überführt, die eine kompatible Darstellung und vergleichende Analyse für den Nutzer ermöglicht. Hierzu wurden die Karten zunächst gescannt, geokodiert und rektifiziert. Das heißt bestimmten Passpunkten der gescannten Karte wurden Koordinaten zugewiesen, anhand derer eine Ausrichtung am Zentralmeridian der zugrunde liegenden Projektion ermöglicht wird. Die so bearbeiteten Karten können unabhängig von Größe, Zoomstufe oder Maßstab exakt übereinander gelegt und miteinander verglichen werden. Anschließend wurden die für die Darstellung der linguistischen Informationen und Kartensymbole benötigten Zeichensätze zusammengestellt und auf ihrer Grundlage die Legenden für die einzelnen Karten erzeugt. Im nächsten Arbeitsschritt wurden die Ortsnetze des Atlasses angelegt und mithilfe spezieller Tools die linguistischen Informationen der Sprachkarten mit den geographischen Informationen verknüpft. Nach Abschluss dieses Arbeitsschrittes ist jedem Erhebungsort einer Karte seine jeweilige linguistische Information zugewiesen und die Karten können aus der REDE-Datenbank generiert werden. Um dem Nutzer eine möglichst komfortable Suchfunktion und zentrale atlasspezifische Informationen zu bieten, wurden für jede Karte alle relevanten Metadaten erfasst.

Mithilfe der oben beschriebenen Verfahren wurden 23 Sonderkarten des Cell MA bearbeitet und dem REDE-Nutzer zur Verfügung gestellt. Für 70 Sonderkarten sind georeferenzierte und rektifizierte Rasterkarten erstellt sowie linguistische Informationen aus Legenden erfasst und mit den geographischen Informationen verknüpft worden. Die übrigen 12 Sonderkarten sowie alle 75 Umrisskarten und drei außersprachliche Interpretamente liegen als georeferenzierte und rektifizierte Rasterkarten vor.

Die Karten wurden von Manuel Hoos, Tim Kallenborn und Jan Steiner digital aufbereitet.

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