Akademie der Wissenschaften und der Literatur - Mainz

Sprachatlas des Deutschen Reichs: Georg Wenkers handgezeichnetes Original (WA)

von Wenker, Georg

 

1. Zitation

1.1 Einführung

Wenker, Georg (2013/2014): Schriften zum „Sprachatlas des Deutschen Reichs“. Gesamtausgabe. Herausgegeben von Alfred Lameli. Unter Mitarbeit von Johanna Heil und Constanze Wellendorf. 3 Bd. Hildesheim, New York, Zürich: Olms (Deutsche Dialektgeographie 111.1-3).

1.2 Karten

Wenker, Georg (1888–1923): Sprachatlas des Deutschen Reichs. Marburg: Handgezeichnet.

Die 1.668 von Georg Wenker, Ferdinand Wrede und Emil Maurmann handgezeichneten Teilkarten des WA wurden in zwei Exemplaren angefertigt. Das erste vollständige Exemplar wird im Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in Marburg archiviert. Das zweite nicht vollständige Exemplar, das für den damaligen Geldgeber, das preußische Innenministerium gezeichnet wurde, befindet sich heute in der Staatsbibliothek Berlin.

 

2. Werkbeschreibung

2.1 Hintergründe

Wenkers Ziel der Kartierung sprachlicher Phänomene beschreibt Lübben in seinem „Bericht über die Jahresversammlung Stralsund“ (1877: 19): „Anknüpfend an das gestern gesagte, wies er [Wenker] auf die Bedeutung solcher bisher noch wenig unternommenen, die Mundart durch genaues Verfolgen charakteristischer Eigentümlichkeiten von Ort zu Ort abgrenzenden Arbeiten hin und verband damit den Wunsch, daß der Verein ihn unterstützen möge in seinem Vorhaben, auf gleiche Weise wie die Rheinprovinz nordwärts der Mosel nach und nach alle Gaue des Deutschlands einer sorgfältigen Untersuchung zu unterziehen und nach ihren mundartlichen Grenzverhältnissen zur Anschauung zu bringen mittels genauer, mit wissenschaftlichem Apparat versehener Sprachkarten.“ Weiterführende Informationen zum Atlas finden sich in „Der Deutsche Sprachatlas (DSA)“  in „Die Sprachatlanten des schwäbisch-alemannischen Raumes“ von König/Schrambke (1999: 15–21). Wir danken den Autoren für die freundliche Bereitstellung des Textes.

2.2 Erhebungsgebiet

Die 40.736 Erhebungsorte des WA im Gebiet des Deutsches Reichs um 1880 erstrecken sich in nordsüdlicher Richtung von Bjerndrup im heutigen Dänemark bis Birgsau im heutigen Österreich und in westöstlicher Richtung von Hillensberg bis Wojnasy im heutigen Polen.

Die Grundkarte (Maßstab 1: 1.000.000) zeigt das Gebiet mit den Erhebungsorten sowie orohydrographische Informationen. Weitere Informationen finden sich in der Denkschrift über Anlage und Ausführung der geographischen Grundkarte zum Sprachatlas des Deutschen Reichs.

2.3 Erhebungszeitraum

Die Daten für den WA wurden von 1876–1887 erhoben. Die Erhebung fand in mehreren Phasen statt: Zunächst wurden von April 1876 bis zum Frühjahr 1877 die Wenkerbögen in die Schulorte der Rheinprovinz nördlich der Mosel versandt. 1877 fand eine Westfalen umfassende Erhebung statt und von 1879 bis 1880 wurde ganz Nord- und Mitteldeutschland sprachgeographisch erfasst. Um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu wahren, wurde 1884 der Fragebogen, der bei der Erhebung in Nord- und Mitteldeutschland verwendet wurde, in das rheinische Gebiet versandt. 1887 wurde schließlich Süddeutschland erfasst.

2.4 Erhebungsmethode

Befragt wurden überwiegend Volksschullehrer aus 40.736 Schulorten des Erhebungsgebietes des WA. „War der Schulort nicht mit dem Geburtsort [des Lehrers] identisch, sollte der Lehrer einen oder einige der dort aufgewachsenen Schüler als Gewährsmänner benutzen“ (Knoop/Putschke/Wiegand 1982: 50). Die Datenerhebung fand indirekt mittels an alle Schulorte des Deutschen Reichs versandter Fragebögen statt – dabei wurden abhängig vom Erhebungsgebiet verschiedene Fragebögen verwendet. Der erste rheinische Fragebogen enthält 42 hochsprachliche Sätze, die in den Ortsdialekt übersetzt werden sollten. Für die Erhebung in Westfalen wurde ein aus 38 Sätzen bestehender Fragebogen entworfen. Nord-, Mittel- und Süddeutschland wurden mittels eines 40  Sätze umfassenden Fragebogens sprachgeographisch erfasst, der auch bei der zweiten Erhebung im Rheinland verwendet wurde (vgl. Knoop/Putschke/Wiegand 1982: 47).

2.5 Kartierung

Bei der Kartierung  der erhobenen Sprachdaten wurden zwei Grundkarten verwendet: Die Karte zur Landaufnahme des Deutschen Reichs im Maßstab im Maßstab 1: 300.000 und die Sektionskarten von Liebenow im Maßstab 1: 1.000.000. Um die Fülle an Einzelinformationen darstellen zu können, gliederte Wenker das Erhebungsgebiet in drei Teile. Dabei existieren Teilkarten zum nordöstlichen Teil (NO), zum nordwestlichen Teil (NW) und zum südwestlichen Teil (SW). Wenker schildert seine Vorgehensweise bei der Erstellung der Grundkarte und der Einteilung des Erhebungsgebiets in der „Denkschrift über Anlage und Ausführung der geographischen Grundkarte zum Sprachatlas des Deutschen Reiches“. Auf den Sprachkarten sind Gebiete gleicher sprachlicher Merkmale durch Isoglossen zusammengefasst und mit einer Leitform versehen. Abweichende Formen sind durch Symbole an den entsprechenden Ortspunkten markiert. Die Aufschlüsselung der Symbole erfolgt in der Legende, die der Karte beigegeben wurde. Sowohl die Isoglossen als auch die Symbole wurden koloriert. Insgesamt wurden pro Karte bis zu 22 unterschiedliche Farben verwendet, die mitunter sogar dazu dienten, ganze Teilgebiete farbig zu unterlegen. Für die Symbole wurde eine Form gewählt, die auf einer Kombination von geometrischer Fläche – v.a. Kreissymbole – und Farbe basiert. Insgesamt wurden die Symbole sehr detailliert gestaltet, so dass sich aus den Karten eine erhebliche Informationsdichte ergibt.

2.6 Umfang

Der WA umfasst 1.668 Karten zu phonetisch-phonologischen, morphologischen und lexikalischen Phänomenen sowie ein außersprachliches Interpretament. Der WA wurde nicht publiziert.

2.7 Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Projekt finden sich auf der Homepage des Projektes DiWA  .

Bibliographische Hinweise zum Gebiet des gesamten Deutschen Reiches und seiner Dialekte sind in der Georeferenzierten Online-Bibliographie zur Areallinguistik (GOBA) zu finden.

 

3. WA im Vorgängerprojekt DiWA

Für das Projekt DiWA wurden 576 Karten des WA ausgewählt, die 438 phonetisch-phonologische und 137 morphologische Phänomene abbilden, sowie eine außersprachliche Interpretamentkarte umfassen.

Die Karten wurden von Sara Dejanovic, Sabine Drotbohm, Arne Erdmann, Eszter Helmrich, Bertram Hupe, Björn Köhnlein, Christian Liebchen, Christian Mentz, Sven-Erik Peters, Katrin Ritte, Thorsten Schulte, Rebekka Viehl und Alexander Werth digital aufbereitet.

Seit 2009 steht das SprachGIS in REDE mit dem gesamten Datenbestand von DiWA als Nachfolger und Erweiterung zur Verfügung.

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