Akademie der Wissenschaften und der Literatur - Mainz

Mittelrheinischer Sprachatlas (MRhSA)

von Bellmann, Günter/Herrgen, Joachim und Schmidt, Jürgen Erich

 

1. Zitation

1.1 Einführung

Bellmann, Günter (1994): Einführung in den Mittelrheinischen Sprachatlas. Tübingen: Max Niemeyer Verlag.

1.2 Kartenbände

Bellmann, Günter/Herrgen, Joachim und Schmidt, Jürgen Erich (1994–2002): Mittelrheinischer Sprachatlas. Tübingen: Max Niemeyer Verlag.

Band 1: Bellmann, Günter/Herrgen, Joachim und Schmidt, Jürgen Erich (1994): Mittelrheinischer Sprachatlas. Vorkarten, Vokalismus I. Diphthonge des mittelhochdeutschen Bezugssystems. Tübingen: Max Niemeyer Verlag.

Band 2: Bellmann, Günter/Herrgen, Joachim und Schmidt, Jürgen Erich (1995): Mittelrheinischer Sprachatlas. Vokalismus II. Langvokale des mittelhochdeutschen Bezugssystems. Tübingen: Max Niemeyer Verlag.

Band 3: Bellmann, Günter/Herrgen, Joachim und Schmidt, Jürgen Erich (1997): Mittelrheinischer Sprachatlas. Vokalismus III. Kurzvokale des mittelhochdeutschen Bezugssystems. Vokale in Nebensilben. Sproßvokale. Tübingen: Max Niemeyer Verlag.

Band 4: Bellmann, Günter/Herrgen, Joachim und Schmidt, Jürgen Erich (1999): Mittelrheinischer Sprachatlas. Konsonantismus. Dialektalität. Konsonanten des westgermanischen Bezugssystems. Sproßkonsonanten. Tübingen: Max Niemeyer Verlag.

Band 5: Bellmann, Günter/Herrgen, Joachim und Schmidt, Jürgen Erich (2002): Mittelrheinischer Sprachatlas. Morphologie. Forschungsstand. Strukturgrenzen. Morphologische Karten. Register. Tübingen: Max Niemeyer Verlag.

 

2. Werkbeschreibung

2.1 Hintergründe

Das von Günter Bellmann in seiner Einleitung zum MRhSA formulierte Ziel besteht darin, „für ein Teilgebiet der deutschen Sprachfläche – als Laut- und Formenatlas – in der üblichen Weise die Verteilung der Dialektmerkmale auf der lokal-sprachlandschaftlichen (horizontalen) Ebene [zu] dokumentieren. Indem [der MRhSA] dies tut – darin besteht sein zweites Ziel –, richtet er seinen Blick auch auf die zwischen Dialekt und Standardsprechsprache sich erstreckende vertikale Dimension, deren Reflexe von den Sprachatlanten des Deutschen sonst, wenn überhaupt, dann eher als Störfaktoren wahrgenommen worden sind“ (Bellmann 1994: 1). Eine von Joachim Herrgen für die Publikation in REDE verfasste Einführung in den MRhSA finden Sie hier. Wir danken dem Autor für die freundliche Verfassung des Textes.

2.2 Erhebungsgebiet

Die 549 Erhebungsorte der Datenserie 1 und die Teilmenge von 292 Erhebungsorten der Datenserie 2 des MRhSA im Gebiet des mittleren und südlichen Teils des sogenannten Rheinischen Fächers erstrecken sich in nordsüdlicher Richtung von der Ahr bis zur Wieslauter und in westöstlicher Richtung von den politischen Grenzen der Bundesrepublik bis zum Rhein. Die Grundkarte Basisblatt (Maßstab 1: 600.000) zeigt alle 549 Erhebungsorte, wohingegen auf der Grundkarte Kontrastblatt (Maßstab 1: 1.000.000) nur diejenigen Erhebungsorte abgebildet sind, für die in beiden Datenserien Erhebungen stattgefunden haben. Beide Grundkarten bilden neben den Erhebungsorten, Staats-, Landesgrenzen und Regierungsbezirken auch Flussläufe ab.

2.3 Erhebungszeitraum

Die Daten des MRhSA wurden von 1978 bis 1988 erhoben.

2.4 Erhebungsmethode

Es fanden zwei voneinander isolierte Datenerhebungen statt, wobei das Alter der jeweiligen Informanten den Hauptunterschied darstellt. Befragt wurden insgesamt 2.510 (1.680 in Datenserie 1, 830 in Datenserie 2) sowohl weibliche als auch männliche Dialektsprecher aus Dörfern und Städten des Erhebungsgebietes des MRhSA im Alter von etwa 75 (Datenserie 1) und etwa 35 Jahren (Datenserie 2). Die Informanten waren in einem manuellen Beruf tätig. Die Sprachdaten wurden direkt erhoben, indem sie zunächst vor Ort von den Exploratoren aufgenommen und mittels IPA transkribiert wurden. Ein Überblick über das verwendete Lautsystem findet sich in der Einführung in den MRhSA (Bellmann 1994: 88–96). Die Fragebücher beinhalten ca. 260 Fragen, die ca. 1.100 (Datenserie 1) bzw. ca. 440 Stichwörter (Datenserie 2) enthalten, mit deren Hilfe alle sprachgeographisch relevanten Laut- und Flexionsphänomene der mittelrheinischen Dialekte systematisch erfasst werden sollen.

Exploratoren des MRhSA waren Günter Bellmann, Gabriele Bock, Georg Drenda, Joachim Herrgen, Otmar Riegel, Ernst H. Schmitt, Jürgen E. Schmidt und Norbert Thinnes.

2.5 Kartierung

Die Darstellung des erhobenen Materials in Form von Punkt-Symbol-Karten, auf denen die verschiedenen sprachlichen Phänomene durch Symbole an den Ortspunkten markiert wurden, folgt der germanistischen Tradition. Die Aufschlüsselung der Symbole erfolgt in der Legende, die der Karte beigegeben wurde. Neben der Aufschlüsselung der Symbole enthalten die Kartenlegenden die Erhebungsfrage, eine Belegauswahl sowie weitere Bemerkungen. Darüber hinaus können auf REDE-Karten auch die Originalformen angezeigt werden.

2.6 Umfang

Mit Abschluss der Arbeiten am MRhSA liegen 740 Karten zu 464 phonetisch-phonologischen und 309 Karten zu 204 morphologischen Phänomenen in insgesamt fünf Bänden vor. Dem Werk sind 16 außersprachliche Interpretamentkarten beigegeben. Der erste Band ist 1994, der letzte Band 2002 erschienen.

2.7 Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Projekt sind über die Homepage des MRhSA abrufbar.

Bibliographische Hinweise zu den Dialekten des mittelrheinischen Gebiets sind in der Georeferenzierten Online-Bibliographie zur Areallinguistik (GOBA) zu finden.

 

3. Integration der Karten in REDE via Datenbankimport

Die in elektronischer Form vorliegenden Datensätze der MRhSA-Karten wurden zunächst in die REDE-Datenbank überführt und in ein speziell von uns entwickeltes Arbeitstool integriert. In einem weiteren Arbeitsschritt wurden die Daten für sprachwissenschaftliche Analysen aufbereitet. Hierzu wurde das verwendete Speicherformat der Datensätze entschlüsselt und so konvertiert, dass die Datensätze sowohl den für die Darstellung der linguistischen Informationen und Kartensymbolen benötigten Zeichensätzen als auch geographischen Informationen zugewiesen werden können. Das Ergebnis dieses Arbeitsschrittes sind aus der Datenbank generierte Karten und kartenspezifische Legenden. Um dem Nutzer eine möglichst komfortable Suchfunktion zu ermöglichen und zentrale atlasspezifische Informationen zur Verfügung zu stellen, wurden für jede Karte alle relevanten Metadaten erfasst.

Die Karten des MRhSA wurden von Chang Liu, Jens Wetekam und Katharina Zahorak digital aufbereitet.

 

4. MRhSA im Vorgängerprojekt DiWA

4.1 Anzahl und digitale Aufbereitung der ausgewählten Karten

Für das Projekt DiWA wurden 355 Karten der Datenserien 1 und 2 des MRhSA ausgewählt, die 167 phonetisch-phonologische sowie 43 morpho­logische Phänomene abbilden und 16 Interpretamentkarten umfassen.

Die Karten wurden von Tim Kallenborn und Sophie Christmann digital aufbereitet.

4.2 Überblendung mit den Karten des Sprachatlas des Deutschen Reichs von Georg Wenker
Georg Wenkers „Sprachatlas des Deutschen Reichs“ (Erhebungszeitraum 1876–1887) ist der erste und bis heute umfangreichste Sprachatlas überhaupt (Geschichte). In DiWA wurden die Karten von Wenker erstmals veröffentlicht. Neben der Publikation bestand eines der Ziele des Projekts darin, die auf den Karten abgebildeten Informationen mit denen moderner Regionalatlanten vergleich- und überblendbar zu machen. Dazu wurden die entsprechenden digitalisierten Karten zunächst geokodiert, d. h. be­stimmten Punkten werden Soll-Koordinaten zugewiesen. Bei der an­schließenden Rektifizierung wurde die Karte anhand der Passpunkte am Zentralmeridian der zugrundeliegenden Projektion ausgerichtet. Das Ergebnis ist eine vollständig georeferenzierte Karte, in der die Koordinaten eines jeden Bildpunktes definiert sind und die kompatibel mit jeder anderen auf gleiche Weise rektifizierten Karte ist. Aufgrund ver­schiedener Faktoren wie dem Fehlen eines Koordinatensystems, schematischen Darstellungen und unterschiedlichen Ausgangs­projektionen, Größen und Detailgraden der Grundkarten, können Abweichungen mit der Zielprojektion auftreten. Die Grundkarte des MRhSA lässt sich sehr gut mit den Wenkerkarten überblenden. Abgesehen von den Grund- und Interpretamentkarten wurden alle Karten des MRhSA aus der DiWA-Datenbank generiert, sodass sich diese Karten exakt mit Karten anderer Atlanten überblenden lassen.

Seit 2009 steht das SprachGIS in REDE mit dem gesamten Datenbestand von DiWA als Nachfolger und Erweiterung zur Verfügung.

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